Samstag, 29. August 2015

Neues vom Bader

Schöne Füße

Dass die Pflanze mehr kann, als sich zur Lakritz-Schnecke aufrollen zu lassen, weiß der Bader schon lange. So gilt die Süßholzwurzel – der Grundstoff all der schwarzen Kringel und Schnüre – als kleine medizinische Rafinesse gegen gerissene Fersen und verschrundete Ballen.


Man zerkleinere einige Stücke Stark-Lakritz (es sollte möglichst viel Süßholz enthalten sein) sehr fein (evtl. raspeln), mische diese mit einem halben Teelöffel Vaseline und massiere diese Paste in die verhornten Stellen ein. Die Süßholzwurzel enthält Substanzen, die die verhärtete Haut wieder weich machen.

Mittwoch, 26. August 2015

Das Wischblatt feiert sich (wieder)

26. Ernting 1462 - 26. Ernting 1463

Das Wischblatt feiert sich war die Überschrift in unserer Ausgabe vom 4. Julmond 1462. Ein Rückblick der ersten 100 Tage.

Heute ist das Wischblatt ein Jahr alt, aber wir haben wenig Freude am Feiern. Der Krieg in Frankreich zermürbt die Daheimgebliebenen, die jeden Tag auf eine Nachricht ihrer Angehörigen warten. Die Soldaten und vielen Freiwilligen an der Front harren jeden Tag aus, bereit zu kämpfen, zu verteidigen oder auszuführen was der nächste Befehl verlangt.

Zur Lage:
Hat es erst vor ein paar Tagen schwere Bannerkämpfe gegeben, aus denen unzählige Verletzte auf beiden Seiten hervorgingen, wurde jüngst noch eine zivile kaiserliche Lanze von französischen Truppen angefallen. Ein feiger Angriff, da sonntags Waffenstillstand respektiert werden sollte. Kaiser Hadrien I. verurteilte dies aufs Schärfste.
Was die Verluste der letzten Kämpfe angeht liegen der Redaktion keine genauen Zahlen vor.

Unsere 130 bisher erschienenen Artikel hatten weniger traurige Inhalte. Hoffen wir daher in Kürze die Schlagzeile vom "Ende des Krieges" drucken zu können.
Bis dahin senden wir den Kameraden im Einsatz alle guten Wünsche, die Kraft die ihr braucht, den Mut der nötig ist und einen satten Bauch! Möge der HERR euch beschützen und der letzte Befehl alsbald gebrüllt werden!
Euer Marschbefehl nach Hause. Bleibt gesund! Johann und Rosa vom Wischblatt.

Samstag, 15. August 2015

Fredrich123 aus Heilbronn

Ein eher unbekannter Nachbar aus dem hohen Norden der Provinz, Heilbronn, hat uns in den aufregenden Zeiten in guttuhender Ruhe aus seinem Leben erzählt.

Rosa: Wer und woher seid Ihr? 

Fredrich123: Mein Name ist Friedrich Donheim ich komme aus einer kleinen Familie einen Beruf habe ich nicht ich bin nur ein Bauer allerdings bin ich in der Politik aktiv und ein Mitglied der Württembergischen Armee. Mein Alter ist mir leider nicht bekannt zurzeit wohne ich in Heilbronn

Rosa: Habt Ihr immer schon dort gelebt, wo Ihr jetzt lebt? Falls nein, wo habt Ihr vorher gelebt und warum seid Ihr umgezogen?

Fredrich123: Ich habe fast mein Ganzen leben in Heilbronn gelebt nur als ich noch ein ganz kleines Kind ist meine Familie aus gründen die ich nicht nennen möchte aus der Steiermark geflohen und hier gelandet.

Rosa: Wie verbringt Ihr Eure Zeit und was ist das Schöne an Eurem Heimatort?

Fredrich123: Heilbronn ist meine Heimat ich liebe es dort weil es dort sehr ruhig ist aber trotzdem sind die Wirtshäuser meist gefüllt die Bevölkerung von Heilbronn ist wie eine kleine Familie.

Rosa: Habt Ihr eine schöne Geschichte für uns? Etwas, an was Ihr Euch immer erinnern werdet?

Fredrich123: Als mir einmal berichtet wurde das Reutlingen eine belebte Stadt ist habe ich mich auf den Weg gemacht und 1-2 Wochen dort verbracht. Auf dem weg lernte ich meine heute besten Freunde kennen und wir lernten dort auch die Contarinis oder wie der Name auch nochmal genau lautet kennen. Eins zum anderen führte dazu das ich heute ein Soldat bin.

Rosa: Was gefällt Euch in Württemberg, was fehlt in Württemberg?

Fredrich123: Württemberg ist meiner meinung nach ein sehr Freundliches stück Land man ist fast überall wo man hingeht willkommen was mir nicht gefällt ist die Politik aber das muss ich ja nicht weiter erleutern.

Nein, das müsst Ihr nicht, die Herrschaften aus der Politik haben die Tage gerade selbst zur Genüge geläutet. Manche Glocken wohl auch.
Wir wünschen Euch immer eine gute Ernte und fettes Vieh! Möget Ihr und die Euren gesund bleiben, damit Euch noch viele Wirtshausbesuche beschert sind!

Freitag, 14. August 2015

Und jährlich grüßt das Murmeltier

Nicht genug, daß die sommerlichen Temperaturen dem Volk den Schweiß aus den Poren treibt, nun trieb auch noch eine Verkündung der aktuellen Regentin, Lady Nicki, den Menschen die Perlen auf die Stirn.

Hatten wir schon fast gedacht, im Rat sei gerade eine beschauliche Phase eingekehrt, schließlich hörte man seit kurzer Zeit kein Gekeife mehr aus Stuttgart, wurden wir jäh mit einem Paukenschlag aus dem Sommerloch geholt. Stille Wasser können bekanntlich tief sein. Der Rat ging in eine Offensive und die Regentin veröffentlichte folgende Verlautbarung:

Werte Bürgerinnen und Bürger Württembergs,

der Rat hat in den letzten Wochen darüber diskutiert, Württemberg vom Königreich abzuspalten. Nach Abwägung der Gründe, die dafür und dagegen sprechen, wurde eine offene Abstimmung durchgeführt, bei der sich von 12 Ratsmitgliedern 10 für eine Abspaltung entschieden, 2 haben sich enthalten, da noch Informationsbedarf bestand. Wir wollten in Ruhe und mit Bedacht alle anstehenden Fragen und die notwendigen Schritte klären, bevor wir mit einem fertigen Konzept vor euch, werte Bürgerinnen und Bürger, treten. Diese Zeit wurde uns jedoch nicht gegeben, da bereits Gerüchte kursieren und bevor diese emotional ausufern, wollen wir Euch umfassend und sachlich informieren.

Was hat uns bewogen, diesen Schritt gehen zu wollen? Nun, Württemberg ist schon immer eine starke Provinz mit einem stolzen Volk gewesen und ist es noch.
Wir sind wirtschaftlich stark genug, um selbständig agieren zu können.
Wir haben eine gut aufgestellte und zahlenmäßig starke Armee.
Wir haben hervorragende Juristen, um ein eigenes Berufungsgericht errichten zu können.

Wir wären unabhängig von den ganzen Reichsinstitutionen, deren Diskussionen immer wieder in Machtspielchen diverser Familien ausarten und endlos lange dauern, da derselbe Sachverhalt in mehreren Gremien diskutiert wird, bevor eine Entscheidung getroffen werden kann.

Wir könnten selbständig Justiz- und Handelsabkommen und sonstige Verträge abschließen, ohne den König fragen zu müssen.
Zahlungen an die Reichsarmee würden wegfallen. Als größte Provinz haben wir dort immer am meisten einzahlen müssen.
Unser Warenhandel läuft jetzt schon weit überwiegend mit dem Ausland und weniger mit den deutschen Provinzen.

Wir wären weiterhin dem Kaiser unterstellt. Als Nachteil einer Abspaltung vom Königreich wird oft angeführt, dass ein Bündnis wie das DKR größeren Einfluss im Kaiserreich hat als eine einzelne Provinz. Das ist zunächst einmal natürlich richtig. Es kommt aber auch darauf an, was diese einzelne Provinz zu bieten hat und ich denke, davon haben wir eine Menge, unsere Schiffe z.B. sind für das Kaiserreich ein wertvoller Faktor.

Nach einer Abspaltung vom Reich würden wir natürlich weiter gute Nachbarn bleiben. Die anderen deutschen Provinzen brauchen nicht befürchten, dass wir uns von ihnen abwenden werden. Besonders im Justizbereich ist eine enge Zusammenarbeit unumgänglich.
Auch militärischer Hilfe werden wir uns im Notfall nicht verschließen, aber wir könnten dann selbst entscheiden, wohin wir unsere Soldaten schicken. Einem Einsatzbefehl des Kaisers ist natürlich wie bisher auch Folge zu leisten.

Die Abwägung all dieser Gründe hat den Rat bewogen, den Schritt in die Selbständigkeit gehen zu wollen. Der nächste Schritt würde der Gang zum Kaiser sein, der eine Abspaltung vom Königreich genehmigen muss.

Bevor wir den jedoch gehen, wollen wir euch, werte Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit geben, eure Meinung dazu zu sagen. Auch für Fragen stehen wir zur Verfügung.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir noch keine offiziellen Schritte eingeleitet haben und uns auch nicht von heute auf morgen ablösen wollen. Wir werden uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, um alles zu klären und gut vorzubereiten.




Dafür, daß die Regentin eine Abspaltung zum wiederholten Male anstrebte und daher um die Gegenwehr im Volk hätte wissen müssen, waren die vorgebrachten Argumente mehr als dürftig. Selbst wenn man keine Zeit gehabt hat ein Konzept auszuarbeiten, ausgereiftere Vorstellungen hätten dann doch im Kopf der Regentin parat liegen müssen. Auch der Zeitpunkt, das halbe Volk ist im Krieg, der letzte Abspaltungsversuch lag grade ein Jahr zurück, hätte nicht schlechter gewählt sein können. Umso schneller erschienen Abspaltungsgegner auf der Bildfläche, die einige gute Argumente gegen eine Abspaltung vorbrachten. Hierbei stand der Rat zwar geschlossen hinter seiner Regentin, leider aber auch überwiegend schweigend.

Wenig hilfreich war dabei sicher auch das Verhalten anderer Entrüsteter, die ihrem Ärger weniger logisch, dafür eher laut und in unangemessener Wortwahl kundtaten. 

Die Wellen schlugen so hoch, daß sie sogar unseren Herrn Kaiser aus dem Bett spülten, der prompt verlauten ließ, daß er ein Referendum, also eine Abstimmung zu einer Abspaltung, verböte. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Auch der Vizekönig sprach von Verrat. Dabei ist eine Abspaltung im Grunde nichts ungesetzliches, diese Option wird allen Provinzen in der Magna Charta angeboten.

Schließlich beendete die Regentin ihren Vorstoß am nächsten Abend mit einem weiteren Aushang:

 Werte Bürgerinnen und Bürger von Württemberg,

ich sehe keinen Sinn mehr darin, die Diskussion hier fortzuführen. Ich kann nur immer und wieder dasselbe sagen. Es tut mir leid, dass ich auf einzelne Fragen nicht mehr eingehe, aber es ist für mich erschreckend, wie emotional, polemisch und teilweise sogar nahezu hasserfüllt dieses Thema angegangen wurde. Als ob wir uns morgen abgelöst hätten. Ich will mich jetzt aber nicht wieder und immer wieder wiederholen. Wir wollten ein Meinungsbild und nicht mehr.

Dass es soweit kommt, dass hier eine Verfügung des Kaisers ausgehangen wird, obwohl der Kaiser noch gar nichts davon wissen kann, weil niemand ihn kontaktiert hat, finde ich mehr als befremdlich.

Dass unter den Soldaten im Kriegseinsatz Stimmung gemacht und Angst geschürt wird, hat in meinen Augen etwas von einer Hetzjagd an sich.

Dass für die Wahrheit kein Raum geschaffen werden wollte, die Fakten immer wieder ignoriert und basierend auf Unwahrheiten weiter dagegen agiert wurde, nimmt dem Ganzen am Ende allen Sinn.

Diese Gründe bewegen mich nun, das Thema hier schließen zu lassen und das Thema auch im Rat zu beenden.


Der einzig positive Effekt der ganzen Idee ist jedoch der, das man seit langem nicht so viele Bürger, Bauern, Handwerker, Vasallen, Amtsträger, Bettler und Tagediebe versammelt sah und hörte, selbst die letzten Feierlichkeiten konnten keinen solchen Ansturm auslösen. Auch in die Politik scheint Leben zu kommen, denn diese vom Rat ungewollt gelieferte Steilvorlage wird Wählerstimmen bringen. Die W.E.I.N. meldet sich zurück und eine Württembergische Vasallin erklärt sich bereit, eine 4. Liste ins Rennen zu werfen.

So viel Leben in der Bude Württemberg würden wir jedenfalls gern öfter sehen.

Sonntag, 9. August 2015

Der Bildhauer

In unserer neuen Reihe Das goldene Handwerk berichten wir über regionale Berufe, die jeder kennt, weil sie in der Nachbarschaft zu finden sind. Den Anfang macht heute der Bildhauer, dessen Arbeit ohne Zweifel ein Kunsthandwerk ist.

Der Bildhauer ist hierzulande ein recht junger Beruf. Er stellt verschiedene Waren unter anderem aus (Doppelzentnern) Steinen, Ton, Weizen und aus Eisenstützen her. Auf dem Märkten findet man Blumentöpfe und bearbeitete Steine zum weiteren Verbrauch. Aber auch einen Brunnen für den Garten oder einen Kamin für die gute Stube kann er hauen und bauen.
Der Bildhauer arbeitet mit dem Schmied, dem Zimmermann und der Provinz zusammen, indem er vom Schmied Eisenstützen kauft, vom Zimmermann die Brunnendächer und von der Provinz die Steine.

Der wohl bekannteste Bildhauer unserer Zeit ist Hans Multscher, geboren um 1400 in Reichenhofen im Allgäu.
Nach seiner Lehre begab er sich auf eine lange Gesellenwanderung durch die Niederlande, Nordfrankreich und Burgund. Eine Zeitlang hielt er sich sicher auch in Paris auf; die Meisterwürde scheint er seinem Meisterzeichen zufolge in Aachen erworben zu haben. Wohl um 1424/25 kam er nach Ulm.
1427 wurde er in Ulm als freier Bürger aufgenommen. Im selben Jahr heiratete er die Bürgerstochter Adelheid Kitzin. Multscher ist als Bildhauer, Maler und Modelleur tätig und unterhält eine umfangreiche und angesehene Werkstatt.

Sein berühmtestes Werk ist die "Kaisergruppe", die das Ostfenster des Ulmer Rathauses ziert.


Anmerkung der Redaktion: Eine Flut von Leserzuschriften erreichte uns nach unserem Aufruf nicht. Besser gesagt: Nicht eine einzige! Habt Mut und belebt die Rubrik mit Euren Beiträgen! Ihr seid die Handwerker dieser Provinz, Ihr sollt Inhalt unserer Geschichten sein! Um Eure Zuschriften wird daher dringend gebeten!

Samstag, 8. August 2015

Allerley Schlemmerey

Aus dem Kochbuch der Philippine Welser aus Augsburg eine süße Köstlichkeit:

Gebratene Quitten

Zutaten:

600 Gramm Quitten
Butterschmalz oder Öl
125 Gramm Mehl
1 Teelöffel Zucker
1 Prise Vanille
¼ ungespritzte Zitrone
1/8 Liter dunkles Bier
2 Eier
2 Esslöffel brauner Zucker oder
Zucker-Zimt-Mischung

Zubereitung:

Die Quitten schälen, längs vierteln, das Kerngehäuse herausschneiden und die Viertel in Scheiben schneiden. Ein Esslöffel Butterschmalz erhitzen und die Quitten bei schwacher Hitze zugedeckt 15 Minuten dünsten. In einer Schüssel Mehl mit Zucker, Salz, Vanille, abgeriebener Zitronenschale und Bier verrühren, die Eier untermischen. Die abgekühlten Quitten zugeben und in der Schüssel schwenken, bis sie mit Teig überzogen sind. Quittenscheiben einzeln mit einer Gabel aus dem Teig fischen, etwas abtropfen lassen und portionsweise im heißen Butterschmalz bei mittlerer bis schwacher Hitze etwa vier Minuten goldgelb braten. Danach gut abtropfen lassen, mit braunem Zucker bestreuen und heiß servieren!