Donnerstag, 19. November 2015

Präsenz statt Transparenz

...und Ehre wem Ehre gebührt!

Den Schrei nach Transparenz kann man schon bald nicht mehr hören. Er ist nicht nur Motto vor jeder Wahl, er ist Streitpunkt bei jeder Diskussion. Aber was nutzt uns Transparenz, wenn es an Präsenz mangelt? Was nutzt die öffentliche Stellungnahme zu Adelungs- und Ehrungsvorschlägen, wenn man den künftigen Vasallen nicht die Ehre erweist, die ihnen entgegengebracht gehört?

Wer der gestrigen Ehrungsfeier im Württemberger Thronsaal beigewohnt hat, wird festgestellt haben, dass sich außer dem Grafen und seiner Stellvertretung nicht ein einziges Ratsmitglied aufgemacht hatte, an der Zeremonie teilzunehmen.
Einem Festakt, bei der treue Bürger durch einen Eid an die Grafschaft gebunden und in den Adelsstand erhoben werden. Um unser Württemberg zu schützen, zu verteidigen, zu unterstützen, mit aller Kraft. Ein Schwur aufs Leben. Für eine Provinz mit einem Rat - der durch Abwesenheit glänzt.

Waren die Herrschaften damit beschäftigt Wahlurnen aufzustellen und auf Stimmenfang zu gehen? Hat sie eine plötzliche Krankheitswelle ereilt, die sie ins Bett zwang? Transpirieren sie intransparent oder wird ein Ratshintern so fett, dass er es schlicht nicht mehr bis in den Thronsaal schafft? Fragen, die die Redaktion sich stellt.
Vielleicht sollte sich der Rat auch welche stellen: Warum nämlich sollten die restlichen Württemberger ihren Hintern noch bewegen? Auf den Wintermarkt, das nächste kulturelle Ereignis? Zur weihnachtlichen Messe, zum nächsten Fest? Zum Kampf an der Front und nicht zuletzt: Zum Wählen?

Vorbildlich hingegen war die Württemberger Armee vertreten, bis in die höchsten Reihen. Kameradschaft scheint dort noch großgeschrieben zu werden. Pflicht und Verpflichtung ist ihr Leben. Zusammen mit Angehörigen, Freunden und jenen, die Anstand haben, gaben sie den Geehrten einen verdienten, schönen Rahmen. Die spontanen Beifallsbekundungen zeugten von herzlicher Stimmung.

Mit einem Ritterschlag wurden der jungen Reichsritterin aus Zwiefalten, Celestria von Wolkenbruch, die Württemberger Adelsrechte zugebilligt. Der Ulmer Baronin von Laupheim, Butterfly von Eriador, wurde die Grafschaft Heidenheim anvertraut. Beide Damen konnten sich der durchaus wertschätzenden Reden des Grafen Jussi erfreuen. Persönliche Worte, die in Erinnerung bleiben und auf die man stolz sein kann. Und die von dem halbleeren Saal in ihrem Rücken ablenkten.

Ein "Hoch" auf unsere Vasallen!
Ein "Schämt Euch" für den Rat!