Unser nächster Mensch aus Württemberg, ist Gormind, das tapfere Schneiderlein aus Zwiefalten.
Johann: Wer und woher seid Ihr?
Gormind: An einem stürmischen und regnerischen Herbsttag
im September klopfte es an der Pforte des Klosters Wiesengarten. Der
zuständige Mönch ließ nach dem Öffnen seinen Blick durch die Dunkelheit
schweifen, entdeckte aber niemanden. Als er die Pforte schon wieder
schließen wollte, verärgert ob der Störung, die ihn bei diesem Wetter
aus der warmen Stube getrieben hatte, entdeckte er einen kleinen
Weidenkorb auf der Schwelle zum Kloster, in dem sich etwas regte. Als er
unter die durchnäßte Decke schaute, entdeckte er einen kleinen Jungen,
der vielleicht drei Monate alt sein mochte. Bei dem Jungen fand er nur
einen Zettel, auf dem der Name Gormind geschrieben stand. So kam Gormind
bei den Zisterziensermönchen des Klosters unter und wuchs hier auf.
Über seine Herkunft ist nichts bekannt. Sein ganzer Besitz sind ein
ärmlicher Weidenkorb und - was die Mönche stutzig machte - die Decke, in
die er eingewickelt war, als man ihn fand, eine Decke aus feinster
blauer Wolle mit sorgfältig bestickter Borte am Rand und den Initialen
G.v.W. Als den Tag seiner Geburt betrachtet man den 19. September, jenen
Tag, als er vor dem Kloster gefunden worden war.
Im Kloster habe ich gelernt zu schneidern, nun nicht grad das aufwendigste und modernste aber robust und zweckmäßig.
Johann: Habt ihr immer schon dort gelebt, wo ihr jetzt lebt? Falls nein, wo habt ihr gelebt und warum seid ihr umgezogen?
Gormind: Also woher ich wirklich komme ist nicht bekannt.
Aber in Zwiefalten bin ich zugewandert, weil ich hier eine Frau
kennengelernt habe, mit der mich sehr viel verbindet. Ihren Namen möchte
ich nicht preisgeben, da die Verbindung mit ihr nicht ganz
unproblematisch ist.
Johann: Wie verbringt Ihr Eure Zeit?
Gormind: Neben der Schneiderei, mit der ich nicht wirklich
meinen lebensunterhalt verdienen kann, weil die Leute hier sehr sparsam
sind und die Sachen so robust sind, daß sie nie kaputt gehen, betreibe
ich einen kleinen Gemüsegarten und ein Weizenfeld.
Johann: Was ist das schöne an Eurem Heimatort, was stört oder fehlt?
Gormind: Es gefällt mir in Zwiefalten. Was mir fehlt ist
das Wasser. Eine tiefe, unerklärliche Sehnsucht nach dem Meer, einem
großen Fluß oder einem See macht sich immer wieder in mir breit.
Vielleicht hat sie etwas mit meiner wahren Herkunft zu tun.
Johann: Habt ihr eine schöne Geschichte für uns? Etwas, an was ihr Euch immer erinnern werdet?
Gormind: Eine solche Geschichte muß ich Euch leider noch
schuldig bleiben, aber wenn sich meine wahre Herkunft jemals klären
sollte, dann vielleicht.
Johann: Was gefällt Euch in Württemberg, was fehlt in Württemberg?
Gormind: Ich bin hier, also gefällt es mir. Meine
Sehnsucht hat noch nicht gesiegt und mich dazu bewogen Würtemberg den
Rücken zu kehren.
Das Wischblatt bedankt sich beim werten Herrn Gormind und wünscht viele schöne Stunden mit der unbekannten Dame.
