Vernimmt man diese Kunde aus des Baders Munde, ist man schon auf dem halben Wege der Besserung: "Läuft". Gemeint ist damit die universelle Behandlungsmethode für eine weite Palette von Krankheiten, dem Aderlass.
Hilft er zum einen gegen "schlechtes Blut", welches sich in den Gliedern staut und verdirbt, kann es zum anderen für die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Körpersäfte beitragen.
Ein Ungleichgewicht derer ist nämlich die häufigste Ursache von Krankheiten (siehe hierzu den Artikel Von den vier Säften). Durch Ausleiten von Blut - dem dominanten Saft - wird dem entgegengewirkt.
Der Aderlass
Für Ärzte und Bader ist der Aderlass eine gängige Praxis. Die Menge des zu entnehmenden Blutes wird aus dem Alter des Patienten, seinem Zustand sowie aus der Jahreszeit und den Wetterbedingungen abgeleitet. Die Zeiten für den Aderlass und die entsprechenden Stellen am Körper werden nach astrologischen Kriterien festgelegt.
Angezeigt ist der Aderlass aus Gewanhait (Gewohnheitsaderlass zur Vorbeugung einer Krankheit) und aus Chranchait (kurativer Aderlass zur Heilung einer bereits eingetretenen Krankheit).
Die Lasstafel oder das Lassmännchen
Hilfreich ist den Medizinern dabei die Lasstafel, ein Aderlasskalender im weitesten Sinne. Denn Zeitpunkt und Region für den Aderlass muss (auch in bezug auf die Mahlzeiten) genau berechnet werden. Eine komplexe Angelegenheit also.
Ein weiteres Hilfsmittel ist die Darstellung des Lassmänchens. Darin finden sich Informationen über die Mondstellung und über die Stellen, an denen der rote Saft abgelassen wird.
Obendrein gilt die Regel, wonach der Aderlass an der rechten Körperhälfte im Frühling und Sommer angezeigt ist, der Aderlass an der linken Körperhälfte in Herbst und Winter.
Die Regel erklärt sich aus der Dominanz der warmen Säfte, die in den wärmeren Jahreszeiten durch die vermehrte Blutbildung in der Leber angeregt werden. Im Gegenzug bewirken die kälteren Zeiten einen Überfluss an kaltem Schleim in der Milz, der linksseitig abgeführt werden muss.
Besonderes Augenmerk legen die Aderlasser aber auf die "kritischen Tage", an denen keine Behandlung stattfinden darf. Anderenfalls könnte dies zur Erblindung oder gar zum Tode führen.
