Donnerstag, 23. Juli 2015

Karin aus Reutlingen

Ein mehr als gutaussehendes und nicht ganz unbekanntes Weib hat uns in Reutlingen gehalten. Noch immer das belebteste Dorf in unserer Provinz. Nicht verwunderlich, dass wir dort die meisten Gesprächspartner finden.
Die Stimme von Frau Klaasen äußert sich hier und heute jedoch ganz privat.

Rosa: Wer und woher seid Ihr?

Karin: Mein Name ist Karin Klaasen. Ich wohne im trubeligen Reutlingen und habe dort ein großes Weizenfeld. Leider habe ich keine Familie hier. Ihr möchtet mein Alter wissen? 

Die werte Dame schmunzelt, bevor sie fortfährt.

Karin: Nun ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass ich 33 Jahre schon auf dieser wundervollen Erde weile.

Rosa: Habt Ihr immer schon dort gelebt, wo Ihr jetzt lebt? Falls nein, wo habt Ihr vorher gelebt und warum seid Ihr umgezogen?

Karin: Nein, ich lebte bis letzten Dezember in Bremen. Mein Vater, der bis zu letzt Richter am Bremer Gericht war, verstarb an Schwindsucht. Er hinterließ mir ein großes Gelderbe, einige Immobilien in Bremen und Umgebung. So finanziere ich mich größtenteils: Durch Pacht - und Mieteinnahmen von den Bremer Ländereien und Häuser, die ich weitervermiete.
Da mein Vater starb und ich ein wenig die Welt außerhalb Bremens erkunden wollte, zog ich los. Reutlingen gefiel mir am besten und so blieb ich.

Rosa: Wie verbringt Ihr Eure Zeit?

Karin: Meine Zeit verbringe ich gern am Reutlinger See. Es ist so idyllisch dort. Aber ich bin auch eine Kräuterkundige und betreibe in meinem Haus eine Apotheke. Demnächst werde ich mein schon großes Wissen an der Universität weiter ausbauen, um als offizielle Ärztin hier im Deutschen Königreich zu gelten.

Rosa: Was ist das Schöne an Eurem Heimatort, was stört oder fehlt?

Karin: Das Schöne an unserem Reutlingen sind nicht etwa die tollen Häuser oder der fischreiche, idyllische See. Sondern der Zusammenhalt der Bürger. Natürlich gibt es ab und an Streit, aber das ist doch menschlich. Der Großteil der Bevölkerung hält zusammen. Das ist das Schöne an Reutlingen. Auch dass man oft jemanden in den Schänken trifft, finde ich ganz toll. Unsere Bürgermeisterin tut auch alles dafür, dass es der Bevölkerung an nichts mangelt und das ist oft ein Kraftakt.

Rosa: Habt Ihr eine schöne Geschichte für uns? Etwas, an was Ihr Euch immer erinnern werdet?

Karin: Ich glaube dass es nicht diese eine Geschichte oder dieses eine Erlebnis im Leben geben wird, an welches man sich explizit gern und immer erinnert. Wenn ich dereinst einmal sterbe, so werde ich mich gewiss gern an Württemberg zurück erinnern. Die Leute, die Landschaft, die Herzlichkeit, aber auch die Intrigen, Machtspiele. Ich glaube dass das Leben selbst die beste Geschichte überhaupt ist.

Rosa: Was gefällt Euch in Württemberg, was fehlt in Württemberg?

Karin: Mir gefällt es, dass wirklich alle zusammenhalten, wenn es hart auf hart kommt. Das gilt vom kleinsten Bauern bis hin zum arrogantesten Grafen. Das finde ich beeindruckend. Egal wie groß ein Streit ist, am Ende wird doch zusammengearbeitet.
Was jetzt genau fehlt, kann ich Euch am Ende gar nicht so genau sagen. Württemberg ist eine ganz besondere Symbiose. Ich glaube jeder wird über irgendwas meckern. Aber das tun nur Leute, die eigentlich alles haben, was es nur geben kann.

Eure Bescheidenheit in allen Ehren und auf dem Weg zum Doktortitel die besten Wünsche vom Wischblatt - möget ihr immer die richtigen Kräuter zur Hand haben!