Ein mehr als gutaussehendes und nicht ganz
unbekanntes Weib hat uns in Reutlingen gehalten. Noch immer das
belebteste Dorf in unserer Provinz. Nicht verwunderlich, dass wir dort
die meisten Gesprächspartner finden.
Die Stimme von Frau Klaasen äußert sich hier und heute jedoch ganz privat.
Rosa: Wer und woher seid Ihr?
Karin: Mein Name ist Karin Klaasen. Ich wohne im trubeligen
Reutlingen und habe dort ein großes Weizenfeld. Leider habe ich keine Familie
hier. Ihr möchtet mein Alter wissen?
Die werte Dame schmunzelt, bevor sie fortfährt.
Karin: Nun ich kann ruhigen
Gewissens sagen, dass ich 33 Jahre schon auf dieser wundervollen Erde weile.
Rosa: Habt Ihr immer schon dort gelebt, wo Ihr jetzt lebt? Falls nein, wo habt Ihr vorher gelebt und warum seid Ihr umgezogen?
Karin: Nein, ich lebte bis letzten Dezember in Bremen. Mein
Vater, der bis zu letzt Richter am Bremer Gericht war, verstarb an
Schwindsucht. Er hinterließ mir ein großes Gelderbe, einige Immobilien in
Bremen und Umgebung. So finanziere ich mich größtenteils: Durch Pacht - und
Mieteinnahmen von den Bremer Ländereien und Häuser, die ich weitervermiete.
Da mein Vater starb und ich ein wenig die Welt außerhalb
Bremens erkunden wollte, zog ich los. Reutlingen gefiel mir am besten und so
blieb ich.
Rosa: Wie verbringt Ihr Eure Zeit?
Karin: Meine Zeit verbringe ich gern am Reutlinger See. Es ist
so idyllisch dort. Aber ich bin auch eine Kräuterkundige und betreibe in meinem
Haus eine Apotheke. Demnächst werde ich mein schon großes Wissen an der
Universität weiter ausbauen, um als offizielle Ärztin hier im Deutschen
Königreich zu gelten.
Rosa: Was ist das Schöne an Eurem Heimatort, was stört oder fehlt?
Karin: Das Schöne an unserem Reutlingen sind nicht etwa die
tollen Häuser oder der fischreiche, idyllische See. Sondern der Zusammenhalt
der Bürger. Natürlich gibt es ab und an Streit, aber das ist doch menschlich.
Der Großteil der Bevölkerung hält zusammen. Das ist das Schöne an Reutlingen.
Auch dass man oft jemanden in den Schänken trifft, finde ich ganz toll. Unsere
Bürgermeisterin tut auch alles dafür, dass es der Bevölkerung an nichts mangelt
und das ist oft ein Kraftakt.
Rosa: Habt Ihr eine schöne Geschichte für uns? Etwas, an was
Ihr Euch immer erinnern werdet?
Karin: Ich glaube dass es nicht diese eine Geschichte oder
dieses eine Erlebnis im Leben geben wird, an welches man sich explizit gern und
immer erinnert. Wenn ich dereinst einmal sterbe, so werde ich mich gewiss gern
an Württemberg zurück erinnern. Die Leute, die Landschaft, die Herzlichkeit,
aber auch die Intrigen, Machtspiele. Ich glaube dass das Leben selbst die beste
Geschichte überhaupt ist.
Rosa: Was gefällt Euch in Württemberg, was fehlt in
Württemberg?
Karin: Mir gefällt es, dass wirklich alle zusammenhalten, wenn
es hart auf hart kommt. Das gilt vom kleinsten Bauern bis hin zum arrogantesten
Grafen. Das finde ich beeindruckend. Egal wie groß ein Streit ist, am Ende wird
doch zusammengearbeitet.
Was jetzt genau fehlt, kann ich Euch am Ende gar nicht so
genau sagen. Württemberg ist eine ganz besondere Symbiose. Ich glaube jeder
wird über irgendwas meckern. Aber das tun nur Leute, die eigentlich alles
haben, was es nur geben kann.
Eure Bescheidenheit in allen Ehren und auf dem Weg zum Doktortitel die besten Wünsche vom Wischblatt - möget ihr immer die richtigen Kräuter zur Hand haben!