Freitag, 17. Oktober 2014

Sini_brachenau aus Reutlingen

Heute stellen wir eine Dame aus dem wehrhaften Reutlingen vor. Wenn sie auch keine Räuber in die Flucht schlägt, so vertreibt sie uns als Kulturfee doch die Langeweile

Johann: Wer und woher seid Ihr? 

Sini_brachenau: Ich bin Sini Brachenau, wobei der Nachname ein Relikt meiner geschiedenen Ehe ist - ich hoffe, ihn bald ablegen zu können. Familie habe ich daher insoweit leider keine mehr. Ich zähle 18 Lenzen und wohne im schönen Reutlingen, arbeite dort in meiner Zimmerei. 

Johann: Habt Ihr immer schon dort gelebt, wo Ihr jetzt lebt? Falls nein, wo habt Ihr gelebt und warum seid Ihr umgezogen? 

Sini_brachenau: Ursprünglich stamme ich von der Küste, aus Lübeck, lebte im beschaulichen Lindau ehe mein Weg mich in die württembergische Grafschaft führte.
Aus Lübeck, weg vom Meer, bis nach Lindau kam ich, um dem Nest zu entschlüpfen und pflüge zu werden. Ich liebe meine Eltern und pflege besten Kontakt zu ihnen, doch wurde es Zeit auf eigenen Beinen zu stehen.
In Lindau wurde es leider stiller und stiller und auch wenn ich hörte, dass mittlerweile wieder mehr Leben dort herrscht, ist es natürlich nichts im Vergleich zur einwohnerreichsten Stadt im deutschen Königreich, Reutlingen. Ich freue mich eigentlich täglich Teil davon sein zu können. Es wird nie langweilig!
 


Johann: Wie verbringt Ihr Eure Zeit? 

Sini_brachenau: Wenn ich nicht dem Zimmermannshandwerk nachgehe, darf ich als Kulturbeauftragte Reutlingens und Provinzkulturbeauftragte zusammen mit einer guten Freundin, Lisa Winkler, Feste organisieren. Vertretungsweise übernehme ich das EBV-Amt und helfe auch sonst mit, wenn ich kann. Beides, die EBV- und die Kultur-Arbeit, sind wundervolle Ämter: Man ist nahe an den Menschen dran, lernt vieles und erfährt vieles. Es ist für mich selbst ein Gewinn und hoffentlich auch etwas für andere, das wünsche ich mir - ich möchte nichts davon missen müssen.
Natürlich aber ist trotz aller freudiger Arbeit nichts schöner als den Feierabend mit Freunden und Bekannten bei einer süffigen Runde im Wirtshaus zu genießen!


Johann: Was ist das schöne an Eurem Heimatort, was stört oder fehlt? 

Sini_brachenau: Schön an Reutlingen sind die Menschen. Man kann nie mit allen auskommen oder alle mögen. Aber ich habe in der Zeit so viele verschiedene Charaktere kennen lernen dürfen und so viele Freunde gefunden, dass ich den Umzug hierher nie bereut habe. Es fehlt eigentlich auch nichts und nichts stört mich. Der Markt ist solide aufgestellt, unser Bürgermeister ist immer ansprechbar und erreichbar und kümmert sich hervorragend. Wir hatten in der letzten Zeit einige Problem mit einer... Gruppe... wenn man so will, aber auch das konnte geklärt werden und das Leben geht weiter! 

Johann: Habt Ihr eine schöne Geschichte für uns? Etwas, an was Ihr Euch immer erinnern werdet? 

Sini_brachenau: Ich kann nicht leugnen diese Frage mit einem breiten Grinsen zu beantworten, denn tatsächlich erinnere ich mich wohl für immer an einen Wirtshausscherz, der herrliche Ausmaße annahm! Meine erste Veranstaltung als Kulti Reutlingens war ein Mal- und Gedichte-Wettbewerb zu unserer Heimat, zu Reutlingen und Reutlingens Bürgermeister. Marcello, ein guter Bekannter, der leider fortgezogen ist, scherzte, er würde dem Bürgermeister eine Ode schreiben - und er tat es. Ich hoffe, er sieht mir nach, wenn ich es hier rezitiere. Es war einfach göttlich!
Ode an einen Bürgermeister
Der Bürgermeister ist zu Meist
ein Weiser, ein gar kluger Geist.
Ein Meister in der Worte Sinn,
sorgt er doch für die Stadt,
erwirtschaftet Gewinn.
Ist stets bereit hinaus zu gehn,
im Wirtshaus Red und Antwort zu stehn.
Auch wenn er dabei manches Mal
-gewiss ermüdet von des Tages Qual-
nur dösend anzutreffen ist.
Doch dies erwähn ich nur nebenbei,
solls doch sein eine Lobhudelei,
auf Jan, uns'ren Bürgermeister,
der seine Aufgaben -im Sinn des Wortes-
gar trefflich meistert.
Möge er noch lange lenken,
sich für Reutlingen verrenken,
den Bürgern allen Meister sein,
darauf stimmt alle mit mir ein:
Ein dreifach Hoch auf uns'ren Jan,
Es soll ihm lang noch wohl ergahn!
Dem kann ich mich nur anschließen und möchte Jan, Janski89, auf diesem Wege danken.
 
Johann: Was gefällt Euch in Württemberg, was fehlt in Württemberg? 

Sini_brachenau: Ich habe Württemberg als groß aber organisiert, als lustig aber im Zweifel auch ernst, als offen aber nicht blauäugig erlebt. Ich weiß um das negative Bild des Rates in der Gemeinschaft, hatte selbst meine schlechten Momente, kann aber auch sagen, dass man manchmal mehr braucht als einen ersten Eindruck.
 

Möge der HERR fügen, daß die letzte Weisheit auf mehr Menschen übergehe. Vielen Dank für die Zeit, die Ihr Euch für uns genommen habt.